Friedrich Rosen: Persien in Wort und Bild (1926) (Biografie)

Die Neuausgabe der Erinnerungen von Friedrich Rosen, ursprünglich 1926 erschienen, gewährt einen einzigartigen Einblick in eine Zeit des Wandels und der kulturellen Umbrüche. Schon vor seiner Zeit als Außenminister der Weimarer Republik war Rosen seit Ende der 1880er Jahre Zeuge der politischen und gesellschaftlichen Transformation Persiens gewesen, das sich von einer mittelalterlichen islamischen Gesellschaft, stark beeinflusst von den Großmächten, zu einem modernen Nationalstaat entwickelte.

1926 befand sich Persien in einem entscheidenden Wandel. Der soeben gekrönte Schah unterhielt enge Beziehungen zu Deutschland, insbesondere im Bereich der Industrialisierung, und strebte nach modernem Wachstum und Unabhängigkeit. Die Vision von Reza Pahlevi, ein Land zu schaffen, das sowohl die westliche Technologie nutzte als auch die eigene kulturelle Identität bewahrte, fand in Rosen einen analytischen Chronisten, dessen Bewunderung und Liebe für diese Kultur durch die Zeilen hindurchscheint. Sein Werk dokumentiert nicht nur die politischen und sozialen Entwicklungen jener Zeit, sondern auch die Herausforderungen und Hoffnungen einer Nation auf dem Weg in die Moderne.

Rosen hat eine detaillierte und präzise Darstellung der Endphase einer großen Kultur hinterlassen. Er macht die letzten Jahre und Monate einer Zivilisation sichtbar, die alsbald von Modernisierung und geopolitischen Konflikten überformt wurde. Seine einzigartigen Perspektiven und tiefgehenden Analysen prägen eine unverzichtbare Lektüre für alle, die sich für die Geschichte Persiens und den internationalen Einfluss auf die Entwicklung der modernen Staaten interessieren.

Diese Neuausgabe ist nicht nur eine Rückkehr zu einem bedeutenden Werk der Zeitgeschichte, sondern auch ein Fenster in eine der ereignisreichsten Perioden der persischen Geschichte, die den Grundstein für die politischen und kulturellen Strukturen des heutigen Iran legte.

Das Buch enthält außerdem die historischen Beiträge „Bericht über meine Reise vom Persischen Golf nach dem Kaspischen Meer“ (1890) und „Der Einfluss geistiger Strömungen auf die politische Geschichte Persiens“ (Vortrag vom 11.1.1922).

Angepasst an die neue deutsche Rechtschreibung. Die historischen Fotos wurden neu gescannt und aufwendig restauriert. Eingeleitet und kommentiert von Prof. Dr. Dr. habil. Stefan Piasecki.

Die Originalausgabe war eine wichtige Quelle für die Recherche zum Roman „Himmelsleiter“ (Link).

 

Titel der Originalausgabe von 1926

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Description

Friedrich Rosen gehört zu den faszinierenden, aber heute weithin vergessenen Gestalten der deutschen Diplomatie und Orientalistik. Sein Leben spannt sich von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die Epoche der Weltkriege, in der Deutschland von einem aufstrebenden Nationalstaat zu einer von Krisen erschütterten Republik wurde. Als Orientalist und Diplomat verband er wissenschaftliche Neugier mit politischem Pragmatismus. Kurzzeitig stand er 1921 als deutscher Außenminister an einer entscheidenden Wegscheide der Weimarer Republik, um sich schon bald wieder aus der Politik zurückzuziehen. Zugleich war Rosen ein leidenschaftlicher Kenner der islamischen Welt, deren Kulturen, Literaturen und Sprachen er nicht nur wissenschaftlich erschloss, sondern auch in seinen Lebensstil integrierte. Er lebte und arbeitete viele Jahre in Persien und arabischen Ländern, bewegte sich in Gelehrtenkreisen ebenso wie unter Stammesführern, und er war ein Vermittler zwischen Orient und Okzident. Sein arabischer Beiname „Sulaiman Ruzin“ steht symbolisch für diese Nähe, ohne dass er selbst zum Islam konvertiert wäre.

Rosen wurde am 30. August 1856 in Leipzig geboren. Sein Vater, Georg Rosen, war ein angesehener Orientalist, Diplomat und Übersetzer, der die Liebe zu den Sprachen und Kulturen des Orients an seinen Sohn weitergab. Der junge Friedrich wuchs daher in einem Umfeld auf, in dem Mehrsprachigkeit, Literatur und Weltgewandtheit zum Alltag gehörten. Die Familie pflegte Kontakte zu Gelehrten, Künstlern und Diplomaten in ganz Europa. Die Mutter, Serena Anna Moscheles, stammte aus einem britisch-akademischen Umfeld und war jüdischer Herkunft. Rosen wuchs überwiegend in Jerusalem auf, wo sein Vater als Konsul tätig war, und erhielt eine mehrsprachige Erziehung (unter anderem Deutsch, Englisch, Arabisch, Persisch). Seine Ausbildung verlief entsprechend international. Rosen studierte Orientalistik, Islamwissenschaften und verwandte Fächer in Berlin, Leipzig, Göttingen und Paris und entwickelte früh eine Leidenschaft für die persische und arabische Literatur.

Anders als viele Zeitgenossen, die den Orient mit kolonialen oder exotisierenden Blicken betrachteten, verband Rosen seine Sprachkenntnisse mit ernsthafter wissenschaftlicher Neugier. Er wollte nicht nur den „fremden Orient“ studieren, sondern Teil seiner Welt werden.

Seinen politischen Höhepunkt erreichte Rosen im Mai 1921, als er in der Kabinettsumbildung des Kanzlers Joseph Wirth zum deutschen Außenminister berufen wurde. Es war eine Zeit dramatischer Herausforderungen. Die Weimarer Republik war politisch fragil, wirtschaftlich durch die Reparationsforderungen des Versailler Vertrags erdrückt und außenpolitisch isoliert. Seine Berufung war teilweise strategisch motiviert: Wirth wollte einen parteilosen, anglophilen Diplomaten, der international akzeptabel wäre und Deutschlands Außenpolitik in einer Zeit der Reparationsforderungen und internationalen Spannungen stabilisieren könne.

Das Londoner Ultimatum vom Mai 1921, mit dem die Alliierten Deutschland Reparationszahlungen in Höhe von 132 Milliarden Goldmark auferlegten, stellte die Regierung vor eine fast unlösbare Aufgabe. Rosen stand damit an vorderster Front einer politischen Auseinandersetzung, in der es um Deutschlands künftige Rolle in Europa ging.

Rosen trat daher als Diplomat mit langer Auslandserfahrung sein Amt an mit dem Ziel, Deutschland außenpolitisch zu stabilisieren und internationale Brücken zu bauen. Er galt als weltoffen, sprach fließend Englisch, Französisch und mehrere orientalische Sprachen, und war in intellektuellen Kreisen respektiert. Seine Haltung unterschied sich stark von vielen Parteipolitikern: weniger Parteiprogramme, mehr Prinzipien, die sich aus seiner kulturhistorischen Sicht ergaben. Er versuchte, zwischen den innenpolitischen Kräften und den außenpolitischen Forderungen zu vermitteln und befürwortete eine Politik der vorsichtigen Erfüllung, um die internationale Isolierung Deutschlands zu überwinden. Zugleich erkannte er die Überlastung durch Reparationsforderungen und warnte vor den absehbaren sozialen Verwerfungen in Deutschland. Doch seine Stimme setzte sich nicht durch.

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